Google äussert sich zu neuen Top Level Domains

Es ist noch kein Jahr her, da beschloß die ICANN eine Öffnung des bisher eher restriktiven Namensraums für generische Top Level Domains. Waren bisher beispielsweise nur Länder-Endungen (.de für Deutschland, .at für Österreich etc.) und die altbekannten generischen Domainendungen .com (company), .org (organization), .net (für Netzwerke), .edu (education) und .gov (government) etc. erlaubt, können bis zum 12. April 2012 beliebige neue bei der ICANN angemeldet werden. Zwar wurden bereits vor der Öffnung im Juni 2011 immer wieder mal scheibchenweise neue TLDs eingeführt: z.B. .mobi für mobile Dienste und Webseiten, .travel für Reiseportale oder .eu für europäische Union. Aber es gab öfters Kritik an der restriktiven Freigabepolitik, so dass sich die ICANN schließlich zu diesem Schritt (mit einigem Applaus) durchrang.

Warum die Öffnung für noch mehr gTLDs?

- Das Internet wächst unaufhörlich

Derzeit sind allein nur für die sechs generischen Top-Level-Domains knapp 140 Mio. Webadressen (ohne Subdomains) registriert (Quelle: Whois).

Insgesamt sind es rund eine Milliarde Haupt-Domains (Hobbes Internet Timeline 2012: WWW Growth) und das Wachstum wird mit großer Sicherheit weiter steil bergauf gehen. Gerade im eCommerce-Segment sind viele mittelständische Unternehmen immer noch nicht mit einer eigenen aussagekräftigen Website und -Domain im Internet vertreten.

Sich in diesem unübersichtlichen Domänen-Dickicht zurechtzufinden und als Anbieter zu behaupten, wird außerdem zunehmend schwerer. Und auch die Suchanbieter wie Google, Bing und Co stehen laufend vor der Aufgabe: wie die (Domänen-) Spreu vom Weizen trennen und aus dieser Masse die besten Websites zu den Suchbegriffen finden?

- Der Differenzierungszwang

Um aus der Masse im WWW herauszustechen und überhaupt gefunden zu werden, muss man nicht nur alle Register in der OnPage-Website-Optimierung (z.B. mithilfe zeitgemäßer SEO-Maßnahmen) ziehen, sondern sich eben auch auf Domainlevel stärker als bisher von den Mitbewerbern abheben. Wegen der Einschränkungen im TLD-System führte dies in der Vergangenheit zu einem Wust an Subdomains (das sind Third Level Domains wie z.B. blog.komdat.com) und auch zu teilweise skurrilen superlangen Domainnamen (llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.co.uk). Doch war es mit diesen Mitteln teilweise sehr schwierig, allen verschiedenen Domänen und Subdomänen einen Gesamtzusammenhang zu geben, der zur eigenen Marke passt und unter einer einzigen FQDN (Fully Qualified Domain Name) eingeordnet ist. Dies insbesondere bei international aufgestellten Websites z.B. in der Industrie.

Die von der ICANN verkündete Öffnung stieß zu Beginn bei vielen Domaininhabern auf Skepsis, ist doch die Hürde für die Registrierung einer neuen Top Level Domain recht hoch: es gibt nur ein kurzes Anmeldezeitfenster vom 12.1. bis 12.4.2012. Auch ist die Registrierungsgebühr von 185.000 US Dollar nicht unerheblich und dürfte wohl nur für sehr betuchte Personen und Großkonzerne erschwinglich sein. Dennoch werden bis kurz vor Ende der Registrierungsperiode bereits 839 Anmeldungen von akkreditierten Organisationen gemeldet (Domain-Recht-Newsletter Ausgabe 609 von http://www.domain-recht.de).

Wie werden die Suchanbieter auf diese Masse neuer gTLDs reagieren?

In einem Webmaster-Video  beantwortete nun Matt Cutts, Head of Spam bei Google CA, die von Robert von Heeren (Head of SEO, ) gestellte Frage: Wie wird Google mit den neuen Top Level Domains umgehen?


Matt erläutert darin, dass Google immer bestrebt ist, dem Suchenden die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. Und wenn diese nun in völlig neuen Top-Level-Domain-Namensräumen liegen, müssen die Suchanbieter natürlich diese neuen Bereiche des Internets ergründen.


Als Beispiel für eine stimmige Nutzung einer neuen gTLD nimmt Matt eine mögliche Fortsetzung des Blockbusters "Transformers". Sollte es hier einen Teil 9 "transformers9" geben, wäre es durchaus sinnvoll, den Trailer auf die neue TLD .movie (also transformers9.movie) zu legen anstatt z.B. auf transformers9.com. Die Endung .movie wäre in diesem Fall also eine Kategorisierung, die es sowohl dem Nutzer wie auch den Suchmaschinen erleichtert, auf Anhieb zu erkennen, dass es sich hier um eine Film-Website und nicht um einen elektrischen Trafo handelt. Ganze Webverzeichnisse und evtl. auch erweiterte Suchoperatoren könnten rund um diese neuen TLD-Spaces entstehen. Aber auch auf Brandebene könnte eine neue TLD reizvoll sein, denn viele international aufgestellte Unternehmen melden für jeden Länder-Standort ihre Brand-Domain unter der zugehörigen Länder-TLD an. Nachteil: jede Länder-Domain muss sich selbst im Index der Suchmaschinen gegenüber der Konkurrenz behaupten und sich einen eigenen Pagerank verdienen. Wäre sie stattdessen unter einer neuen Brand-gTLD vereint, würden dem bisherigen Brauch der Suchanbieter zufolge alle vom "Super"-PageRank der eigens dafür registrierten gTLD profitieren.

Natürlich wird es einige Zeit dauern, bis diese gTLDs eingeführt und mit "Leben" (Content) ausgefüllt und gelauncht werden. Und auch Matt spricht in dem Video über eine Phase der Migration, wo wahrscheinlich auch viele Domainumzüge auf neue TLDs stattfinden werden. Der derzeitige Ansturm auf die gTLDs verspricht jedenfalls spannende Zeiten im neuen Web-Universe: bei soviel monetärem Einsatz wird wohl kaum ein Domain-Holder auf deren Nutzung verzichten. Mehr Informationen zu Pro & Contra von neuen generischen TLDs sind in diesem Video von ICANN zusammengefasst.

Directory Press: Neues starkes SEO-Plugin für WordPress

Directory Press macht aus einem Blog ein Webverzeichnis. Dieses besonders für SEOs interessante Tool bietet unter anderem auch Bezahlfunktionen.

Eine der umtriebigsten Entwicklerszenen ist die WP-Community. Die Anzahl der Plugins für die beliebte Blogsoftware ist inzwischen Legion, und das zurecht. Die Plugins statten WordPress mit Funktionen aus, die man bei anderer Blogsoftware oft vergebens sucht. Jetzt ist für die SEOs dieser Welt ein besonders interessantes Plugin erschienen: Directory Press.

Directory Press ist ein voll ausgestattetes Verzeichnis-Theme für Wordpress. Es erlaubt, die Standard-WordPress-Blog in ein leistungsstarkes Online-Link-Verzeichnis umzuwandeln. Die wohl interessanteste Funktion dabei ist das Bezahl-Plugin, mit dem in kürzester Zeit auch Link-Bid-Funktionen integriert werden können. Dazu kommen auch Möglichkeiten für Paid Directory Submissions sowie Importe aus anderen Directories. Für einen ersten Eindruck eine runde Sache. Wir werden diese Software testen und melden uns mit einem Testbericht dazu zurück.

Stefan Wölfel

Echtzeit-Suchergebnisse: Google startet Google Instant

Google Instant - Echtzeit-Einblendung von Suchergebnissen schon beim Eintippen in die Suchmaschine. Suchmaschinenbetreiber Google hat mit Google Instant die Katze aus dem Sack gelassen: Der AJAX-basierte Suchservice, den manche SEOs in den vergangenen Tagen bereits beobachtet hatten, ist nun online - zumindest auf Google.com. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch dies in den lokalisierten Versionen implementiert wird. Auf Google.de können nur jene Nutzer die neue Version der Suchergebnisseite sehen, die mit ihrem Google-Konto angemeldet sind. Es besteht jedoch (noch) die Möglichkeit, zur bisherigen Ansicht zurückzukehren.

Stellt sich natürlich die Frage, wie das Ganze die Paid Listings (die ja ebenfalls munter mitrotieren) und das SEO betreffen und unzweifelhaft verändern wird. Zwei Bereiche, die betroffen sind:

Vertipper: Mit Sicherheit wird das vor allem Einfluss auf Falschschreiber haben, denn die Anzeige des korrekten (bzw. von der Mehrheit der User eingegebenen Wortvariante) wird von Google automatisch angeboten. Optimierungen auf Vertipper könnten schnell obsolet werden.

Longtail: Auch der Longtailoptimierung dürfte das nicht sonderlich gut tun, denn die Anfragen dürften durch die Vorschläge einerseits zurückgehen bzw. sich auf bestimmte, von Google als Vorschläge erkorene Longtailbegriffe einschleifen.

Ein Effekt ist auf jeden Fall beobachtbar: Die Suche wird schneller, und Google zeigt nun schon nicht mehr nur in Ansätzen, sondern ganz konkret, wie die schöne neue Vorschlagswelt von Google-Chef Eric Schmidt ausschaut, in der Google dem User Vorschläge liefert, an die er selbst noch gar nicht dachte. Ansonsten zitiere ich in solchen Momenten gerne SEO-Mastermind Rand Fishkin:

"Oh My God! Search is Changing Forever! SEO is Doomed! Run for the Hills!!

[Update]: Interessant ist die Frage, die sich zu den Impressions stellt: Wann wird gezählt? Das beantwortete Google in seinem Agency-Newsletter; "eine Impression wird in jedem dieser drei Fälle gezählt:

- Drücken der Enter-Taste, Klick auf die Suchen-Schaltfläche oder das Auswählen einer Suchanfrage aus den Vorschlägen
- Ein Klick auf einen Link auf der Suchergebnisseite, z.B. auf eine Anzeige, ein Suchergebnis, ein Rechtschreibkorrekturvorschlag, eine verwandte Suchanfrage usw.
- Eine Pause von mindestens drei Sekunden beim Betrachten der Seite"

Das dürfte die PIs vor allem unter dem Eindruck des letzten Punktes in einem noch zweifelhafteren Licht erscheinen lassen.

Mehr als die Hälfte aller Conversions kommt nach ein oder zwei Klicks zustande

Je kürzer jedoch die Klickkette ist, um so länger dauert es, bis ein Kauf stattfindet. Bei der Gewinnung von Neukunden spielt deshalb ein gutes Suchmaschinenmarketing eine wichtige Rolle. [internetworld.de]

Google unterstützt Videocodec VP8

Auf der Entwicklerkonferenz I/O verkündete Suchmaschinen-Unternehmen Google, dass es künftig das freie Videoformat WebM nicht nur unterstützt, sondern dessen zugrundeliegenden Videocodec VP8 zur lizenzfreien Nutzung als Open Source veröffentlicht. Adobe und Apple wird es nicht gefallen. Schon als Google im Februar den Video-Spezialisten On2 aufkaufte, pfiffen es die Spatzen von den Dächern, denn damit gelangte Google auch an den Videocodec VP8. In Verbindung mit dem ebenfalls lizenzfreien Audiocodec Ogg soll ein Internetvideostandard auf Basis des Matroska-Containers WebM geschaffen werden.

Mit einer strategischen Entscheidung für die Nutzung eines freien Video-Codecs will Google die Weichenstellung für die Einführung von HTML5 forcieren - und hat sich dabei ganz offen gegen Adobe und Apple gestellt, die die Formate H264 bzw. Flash favorisieren. Mit der Bereitstellung als Open Source weiß Google ganze Heerscharen von Entwicklern hinter sich, die durch ihre Anwendungen für Verbreitung sorgen werden. Es wird interessant zu beobachten, ob und wie patentrechtlich damit umgegangen wird, denn komplett patentfrei ist VP8 nicht. Zudem ließ der Suchmaschinenprimus zeitgleich eine weitere Bombe platzen, indem er mit der Ankündigung des "Open Web Media Project" die Zusammenarbeit mit zahlreichen Technologie-Unternehmen sucht, insbesondere mit Browserherstellern wie Mozilla und Opera.

Was bedeutet das für die künftige Suchmaschinenoptimierung? Sicher ist, dass Google den Einsatz von HTML5 begrüßt und forcieren wird, denn damit wird der Videoeinsatz auf Webseiten unabhängig von Plugins möglich sein. Googles Tochter YouTube gibt schon einen kleinen Einblick in diese Zukunft, denn das Videoportal wird ebenfalls WebM unterstützen, um HTML5-Videos in 720p auszuliefern. Bei aktiviertem HTML5-Testbetrieb können bereits erste WebM-Videos mit Entwicklerversionen der Browser Chromium, Firefox und Opera betrachtet werden, indem an die jeweilige URL "&webm=1" anhängt wird. Fürs SEO sollte sich vor allem die Chance ergeben, Bewegtbild mit Keyword-Tags und Kommentaren in HTML5 einzugeben.

Stefan Wölfel

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